
Schon als Lehrkraft beeindruckten mich der Teamgeist des Kollegiums sowie des Verwaltungspersonals. Inklusion, dreiwöchige Praktika für Schülerinnen und Schüler, Expertenunterricht und die einzige Grafik-Übungsfirma des Landes machten die LeWiT damals zu einer Vorreiterin unter den Meraner Oberschulen.
Herausfordernde Führung
Führungstechnisch war die Schule komplex: vier Fachrichtungen, Planung und Organisation differenzierender Nachmittagsangebote, des Expertenunterrichts und der Praktika, genormte Tests, Betreuung der Facharbeiten und die aufwändige Abschlussprüfung nach der 3. Klasse. Hinzu kam die Begleitung von rund 30 Privatistinnen und Privatisten jährlich – mit den „abenteuerlichsten“
Vor-Bildungswegen.
Als neue Direktorin kam ich an meine Grenzen, konnte die Herausforderungen aber mit Unterstützung meines
Vizedirektors Roland Stauder, des Direktionsrats und der gesamten Schulgemeinschaft bewältigen.
Strenge Regeln und öffentliche Kritik
Ich legte großen Wert auf die Schulordnung: Rauchverbot, Pünktlichkeit, Verbleib im Pausenhof. Diese Maßnahmen stießen bei vielen Schülerinnen und Schülern nicht auf Gegenliebe, waren aber für die Wiederherstellung des guten Rufs der Schule unerlässlich. Eine Mutter beschwerte sich umgehend beim Schulamtsleiter. Die Südtiroler Tageszeitung griff den Vorfall auf – ich wurde zur „strengsten Direktorin Merans” gekürt.
Ein gesunder Erfolg
Die Initiative „Jule, das gesunde Pausenbrot“ markierte einen wichtigen Schritt in der Schulentwicklung. Unzufriedenheit mit dem ungesunden Pausenangebot aus dem Automaten war der Beginn eines sehr erfolgreichen Projekts, das mit Unterstützung der „Stiftung Vital“ und der gesamten Schulgemeinschaft umgesetzt werden konnte. Unsere Schule erhielt das Siegel „Gesundheitsfördernde Schule“, präsentierte sich auf der Hotelfachmesse, gewann Preise – eine derartige Zustimmungswelle und Aufbruchstimmung habe ich in meinem späteren Berufsleben leider nicht mehr erlebt!
Sozialpädagogik als Pionierleistung
Einige disziplinarrechtlich schwerwiegende Vorfälle in der Schülerschaft veranlassten mich, finanzielle Mittel vom Schulamt anzufordern und unser Kollegium mit einem „echten“ Streetworker zu verstärken. Nach einem Tag war Sozialpädagoge Franco, einer der ersten an einer staatlichen Oberschule, nicht mehr wegzudenken aus unserer Schulgemeinschaft. Die konstruktive Zusammenarbeit mit den Lehrkräften ermöglichte in kurzer Zeit eine ganzheitliche Unterstützung für die gesamte Schülerschaft!
Ein System im Wandel
2009 wechselte ich als Schulinspektorin ans Schulamt und war in die Reform der Oberschulen involviert. Es ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Lehranstalten damals auf Staatsebene als „berufs-aus-bildende“ Schulen geführt wurden; gleichzeitig gab es in Südtirol ein hochwertiges Ausbildungsangebot im Bereich der deutschsprachigen „Landes“-Berufsbildung. Die autonomiepolitischen Bestrebungen der damaligen Regierung Südtirols bestanden darin, die „staatlichen“ Lehranstalten aufzulösen und damit das bereits bestehende „Landesangebot“ der Berufsbildung zu stärken und – z.B. durch die Maturaprüfung – noch attraktiver zu gestalten.
Ein spürbarer Verlust
Mit der Auflösung aller deutschsprachigen, staatlichen Lehranstalten ging etwas verloren, was sich jahrzehntelang bewährt hatte und immer noch als Verlust in der deutschen Bildungslandschaft empfunden wird. Für viele Jugendliche mit wenig ausgeprägter Berufswahlreife war die LeWiT der ideale Bildungsweg, um geradlinig ein Maturadiplom als Grundlage für den Einstieg in die Arbeits- oder Studienwelt anzustreben.