WEGBEGLEITERINNEN UND WEGBEGLEITER der letzten 50 Jahre ERZÄHLEN IHRE GESCHICHTE
JOSEF
PALER
Lehrkraft für BWL an der LeWiT (1973 bis 1997),
Direktor der LeWiT (1997 bis 2000)
Pionierrolle In den 90er-Jahren übernahmen die berufsbildenden Lehranstalten in Italien durch innovative Maßnahmen eine Art Vorreiterrolle für die übrigen Staatsschulen. Da es zu jener Zeit im restlichen Staatsgebiet noch keine berufsbildenden Schulen mit vorwiegend dualer Berufsausbildung gab, mussten die Lehranstalten diese Rolle übernehmen, was diese innovativen Maßnahmen erforderlich machte und begründete.
Progetto 92 Mit dem „progetto 92” wurden an den „istituti professionali” rund 40 berufsausbildende dreijährige Kurse ins Leben gerufen, die der Entwicklung in Industrie, Handwerk, Handel, Tourismus und Sozialgewerbe entsprechen sollten. An den Lehranstalten in Südtirol beschränkte man sich auf wenige dieser Fachrichtungen, zumal es ja bereits eine etablierte Berufsausbildung an Landesschulen gab.
Angebote „Allgemeine Betriebsführung” und „Touristik” waren die neuen Ausbildungsstränge an der Lehranstalt in Meran, einige Jahre später kam die „Werbegrafik” dazu. Sogenannte (z.T. fächerübergreifende) genormte Tests im Rahmen der Abschlussprüfung waren die große Neuerung für die Lehrkräfte, die zu längst fälligen Koordinationssitzungen führten. Die Prüfungsfragen waren Gemeinschaftsprodukte aller Lehrkräften der Parallelklassen.
Stütz- und Förderkurse Ein Unterrichtsnachmittag wurde für die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler verpflichtend eingerichtet: Es gab verpflichtende Stützmaßnahmen in allen Fächern; Schülerinnen und Schüler, die das nicht nötig hatten, mussten/durften sogenannten Förderunterricht besuchen: Dabei handelte es sich um neuartige Projekte und schülerinnen -und schülergerechte Maßnahmen, wie z.B. Schulbands, Schulchöre oder Sportgruppen.
Praktika Eine weitere Neuerung war die Einführung von zwei- bis dreiwöchigen Betriebspraktika für alle Schülerinnen und Schüler. Im Laufe des Unterrichtsjahres mussten alle ein betreutes Praktikum in einem möglichst „ausbildungsverwandten” Betrieb absolvieren. Das Praktikum wurde von einer Betriebsmitarbeiterin oder einem Betriebsmitarbeiter und einer Lehrkraft gemeinsam betreut und bewertet. Die Schülerinnen und Schüler konnten erste Kontakte mit Betrieben wahrnehmen und vielleicht schon die Zukunft prägende Entscheidungen treffen.
Unterricht durch Expertinnen und Experten Eine weitere Innovation und prägende Grundlage für möglichst praxisorientierte Ausbildung an den Lehranstalten war der sogenannte Expertenunterricht, um den die Lehranstalten von allen anderen staatlichen Oberschulen beneidet wurden. Dieser war den 4. und 5. Klassen vorbehalten. Ein Vormittag, damals noch der Samstagvormittag, wurde von Expertinnen und Experten, u.a. Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern, Managerinnen und Managern sowie Führungskräften von Betrieben, gestaltet. Natürlich mussten auch hier Absprachen mit den jeweiligen Fachlehrkräften getroffen werden, zumal der Expertenunterricht in Blöcken abgewickelt wurde und im Laufe eines Schuljahres mehrere Expertinnen und Experten je Klasse zum Einsatz kamen.